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Schriftliches Grußwort des Bundesvorsitzenden des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM), Prof. Ulrich Rademacher, anlässlich der Übergabe der QsMRezertifizierungsurkunden am 7. November 2014 in Magdeburg


Lieber Herr Biedermann,
sehr geehrter Herr Ministerialrat Hoberg,
sehr geehrte Trägervertreter der Musikschulen,
liebe Musikschulleiter und Mitglieder der QsM-Steuerungsgruppen,
lieber Herr Dr. Reineke und Frau Timm,
liebe Gäste,


heute ist ein großer Tag für die öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt: Nachdem vor genau einem Jahr die ersten zehn Musikschulen die Urkunde über die erfolgreiche Rezertifzierung von QsM erhalten haben, werden heute auch den weiteren elf öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt diese Zertifikate überreicht. Ich bedauere sehr, dass ich dies nicht persönlich übernehmen kann.
Nach der erfolgreichen Implementierung des Qualitätsmanagementsystems QsM, die alle Musikschulen im Land vor vier Jahren abgeschlossen hatten, haben Sie unter Beweis gestellt, dass Sie an Ihren Musikschulen auch weiterhin Qualitätsmanagement im Sinne kontinuierlicher Qualitätsverbesserung und Organisationsentwicklung betreiben. Damit sind Sie der erste Landesverband der Musikschulen im VdM, im dem alle Mitgliedschulen nicht nur QsM implementiert, sondern auch bereits eine erfolgreiche QsMRezertifzierung erworben haben. Damit haben Sie einen wahrhaften Meilenstein gesetzt!
Als Fach- und Trägerverband hat der VdM zur Qualitätssicherung der Musikschularbeit QsM – das Qualitätsmanagementinstrument für die Musikschulen entwickelt. Denn besonders der Nachweis von „Qualität“ rückt immer mehr in den Mittelpunkt, wenn es darum geht, den Empfang öffentlicher Mittel und damit auch die Rahmenbedingungen der Musikschulen zu sichern.
Grundlage dafür ist in Sachen-Anhalt das seit 2006 gültige Musikschulgesetz, das für den Erwerb der staatlichen Anerkennung auch die erfolgreiche Implementierung und Arbeit mit dem eigens vom Kultusministerium bestätigten Qualitätsmanagementinstrument QsM vorsieht. Dass dies alles bei Ihnen möglich wurde, ist insbesondere dem großen Engagement des Landesverbandes der Musikschulen mit seinem Vorsitzenden Markus Biedermann und Dr. Christian Reineke und Karin Timm seitens der Landesgeschäftsstelle zu verdanken.
In den vergangenen beiden Jahren haben Sie sich, liebe Mitglieder der QsMSteuerungsgruppen – angeleitet durch unseren Schulungspartner Dr. Friedrich Soretz Organisationsberatung – erneut den Herausforderungen intensiver Qualitätsarbeit gestellt. Zu betonen ist, dass Sie dies neben ihrer „normalen“ Arbeit gemacht haben, die ebenfalls mit hohem Einsatz weitergehen musste. Ihre Erfolge dabei, neue Verbesserungsmaßnahmen, die systematische Auseinandersetzung mit allen Abläufen Ihrer täglichen Arbeit, haben den Nutzen von QsM bestätigt. Damit machen Sie auch die hohe Bildungsqualität der Musikschulen in Sachsen-Anhalt dauerhaft transparent.
Zu diesem Erfolg möchte ich Sie als Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen herzlich beglückwünschen und allen Dank sagen, die sich engagiert und für die Durchführung der QsM-Rezertifzierung stark gemacht haben!


Prof. Ulrich Rademacher
Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen


 

Leitfragen des VdM
Positionierung des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V.

 

1. Welche sind die Alleinstellungsmerkmale der öffentlichen VdM-Musikschulen?

Der Marketing-Begriff Alleinstellungsmerkmal bezeichnet „das herausragende Leistungsmerkmal …, mit dem sich ein Angebot deutlich vom Wettbewerb abhebt“. Als Alleinstellungsmerkmal kann demnach nur das gelten, was als Einzigartiges unmittelbar erkennbar ist und dadurch zum Wesentlichen des Angebotes selbst wird.
Übertragen auf die öffentliche VdM-Musikschule bedeutet dies, dass ihre Förderung, die sie überhaupt erst zu einer öffentlichen Einrichtung macht, nur dann sinnvoll ist, wenn mit ihr ein Ziel verfolgt wird, das private Anbieter prinzipiell nicht leisten können. Anders ausgedrückt sollte die Ursache der Förderung darin liegen, mit ihr eine Lücke kommunaler Daseinsvorsorge zu schließen, die entstände, wenn es keine öffentliche Musikschule  gäbe. Das Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Musikschule muss deshalb durch die Förderung selbst bestimmt werden.
Dieses trifft vornehmlich für den Kernbereich der öffentlichen Musikschule zu, der insbesondere durch den Einzelunterricht geprägt wird. So ist es nur mittels dieser Unterrichtsform möglich, die individuelle Veranlagung jedes Schülers  optimal zu fördern und dadurch höchste musikalische Bildungserfolge zu erzielen. Voraussetzung hierfür sind die auf Jahre ausgerichteten VdM-Rahmenlehrpläne, deren Realisierung größtenteils nur durch eine kontinuierliche Lehrer-Schüler-Bindung, also durch fest angestelltes und qualifiziertes Unterrichtspersonal, garantiert werden kann. Der im Anstellungsverhältnis durchgeführte Einzelunterricht ist allerdings eine besonders kostenintensive Unterrichtsform. Dieses darf jedoch nicht dazu führen, dass er gerade Kindern und Jugendlichen verwehrt bleibt. Vielmehr muss es im Sinne kultureller Bildungsteilhabe darum gehen, Einzelunterricht so stark zu fördern, dass dessen Entgelte bzw. Gebühren möglichst niedrig sind und somit auf finanzielle Zugangsbeschränkungen weitgehend verzichtet werden kann.
Der Förderung des oben beschriebenen Einzelunterrichts entspricht auch die Förderung der Ergänzungsfächer (z. B. Musiktheorie) und des Ensemblespiels. Auch sie müssen im Sinne kultureller Bildungsteilhabe ohne finanzielle Hürden von einer möglichst großen Bevölkerungsschicht genutzt werden können. Da der Einzelunterricht, die Ergänzungsfächer und das Ensemblespiel inhaltlich miteinander verwoben sind und sich auf unterschiedliche Weise gegenseitig positiv beeinflussen, stellen sie ein geschlossenes Ausbildungskonzept dar und sollten deshalb im Rahmen einer öffentlichen Musikschulausbildung als obligatorische Fächerkombination betrachtet werden. Dieses gelingt jedoch nur, wenn die Ergänzungs- und Ensemblefächer als Zusatzangebote zum Hauptfach für die Schüler möglichst kostenfrei wahrgenommen werden können.
Die zugangsoffene und breitengesellschaftliche Nutzung des dargestellten Kernbereichs, geprägt durch eine obligatorische Kombination aus Einzelunterricht, Ergänzungsfächer und Ensemblespiel, konstituiert damit (gemäß dem oben Definierten) das Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Musikschule, das nur durch entsprechende Förderung ermöglicht werden kann.
Die Musikschulförderung löst jedoch auch eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit als Geldgeber aus. Vergleichbar mit allgemein bildenden Schulen bedeutet dies zum einen, dass ihr Wirken einer permanenten Qualitätskontrolle unterliegen muss, um so die Effektivität der Mittelverwendung nachweisen zu können. Zum anderen muss ihre oben definierte Kernarbeit an einheitlichen, mindestens landesweit verbindlichen Qualitätsstandards ausrichtet werden, damit sie nicht nur als Freizeit-, sondern vor allem auch als Bildungseinrichtung gesamtgesellschaftliche und politische Akzeptanz findet.
Der Zugang zur Musikschule muss jedoch nicht nur von den ökonomischen, sondern auch von den kulturellen Hintergründen der Schüler so unabhängig sein wie irgendwie möglich. In diesem Sinne können an allgemein bildenden Schulen durchgeführte Kooperationsprojekte als sinnvolle Brücken verstanden werden, die für die Kernarbeit der Musikschule sensibilisieren und den Einstieg in eine weiterführende Musikschullaufbahn ermöglichen. Dabei sind zwei Grundprinzipien zu berücksichtigen:
Zum einen können Großgruppenunterricht und Kooperationsmaßnahmen von privaten Anbietern aufgrund ihres hohen Kostendeckungsgrads genauso realisiert werden wie von der öffentlichen Musikschule. Diese Angebote kennzeichnen somit nicht das oben definierte Alleinstellungsmerkmal.
Zum anderen darf ein Ausbau der Kooperationsmaßnahmen und der hierzu notwendige Lehrkräfteeinsatz nicht dazu führen, dass  der dargestellte Kernbereich der öffentlichen Musikschule reduziert wird und somit die verstärkte Nachfrage an einer individuellen Musikausbildung nicht mehr befriedigt werden kann. Kooperationen müssen deshalb die Kernarbeit der Musikschule bereichern, ohne sie jedoch zu verdrängen oder gar zu ersetzen. Sobald eine zu große Vermischung von Einzelunterricht, Ergänzungs- und Ensemblefächer mit interschulischen Kooperationsangeboten entsteht, sind die pädagogischen Ziele nicht mehr erkennbar und voneinander trennbar, sodass das Gesamtangebot öffentlicher Musikschularbeit unglaubwürdig und somit angreifbar wird.
Außerdem sollte es nicht darum gehen, durch Kooperation Musikalisierung auf Melodieinstrumenten um ihrer Selbstwillen durchzuführen, da nicht jedes Kind zwangsläufig ein Instrument erlernen muss. Eher schaden derartige Angebote ohne definierten Leistungsanspruch langfristig der nötigen Sensibilisierung für eine individuelle musikalische Ausbildung. So zeigen jüngste Erfahrungen aus Bundesländern mit einer hohen Dichte sogenannter Musikalisierungsangebote überdeutlich, dass der Kernbereich wegbricht und der Leistungsstand der Mittelstufe nur noch marginal existiert.
In diesem Zusammenhang gilt es auch zu betonen, dass im Unterschied zu Kooperationsangeboten und anderen Gruppenunterrichtsformen der Frage des Einzelunterrichts nicht von demografischen, kulturellen oder sonstigen regionalen Gegebenheiten abhängig ist. Seine Nutzung ist jedoch vielmehr davon abhängig, in welchem Umfang er seitens der Musikschule vorgehalten wird. Wenn beispielsweise beim Anmeldeverfahren eine prinzipielle Ausrichtung auf Großgruppenunterricht von der Musikschule präferiert wird, kann daraus noch nicht geschlossen werden, dass auch der Nutzer diese Unterrichtsform favorisiert.
  
Schließlich sollte im gegebenen Kontext ebenfalls unterstrichen werden, dass die Kernarbeit der öffentlicher Musikschule und somit deren Alleinstellungsmerkmal gewissermaßen auch zu einer Kontinuität der inhaltlichen Arbeit verpflichtet. So gilt es, moderne Strömungen mit ihrer oftmaligen Kurzlebigkeit in das Curriculum der traditionellen Unterrichtsfächer mit Bedacht einzugliedern. Beispielsweise wurde in den 1990-er Jahren prognostiziert, dass das Keyboard als neue Ausdrucksform mit angepasster Übungszeit die meisten Fächer beiseite schieben würde. Dieses ist jedoch nicht eingetreten. Vielmehr integrierte sich zwei Jahrzehnte später der Keyboardunterricht gleichmäßig in den gesamten Fächerkanon, wobei ganz im Gegenteil – quasi als Gegenpol zu einem überstrapazierten Technikkonsum – eine verstärkte Zuwendung zu den traditionellen Instrumenten verzeichnet werden konnte.
Tabellarisch kann das Alleinstellungsmerkmal öffentlicher VdM-Musikschulen wie folgt dargestellt werden:

 

  Unterrichtscharakteristika Öffentliche Private
Musikschulen Anbieter
1 Einzelunterricht x  
(für dauerhafte Lehrer-Schüler-Bindung erteilt von angestellten Lehrkräften, im Sinne der Teilhabe   zugangsoffen für alle Gesellschaftsschichten)
 
2 Ensemble- und Ergänzungsfächer x  
(für alle Schüler als kostenfreie Zusatzangebote zum Hauptfach in entsprechendem Umfang)
 
3 Kooperationen/Gruppenunterricht als Einstieg in ein pyramidales Ausbildungskonzept mit dem unter       1 und 2 dargestellten Kernbereich x  
4 Gruppenunterricht (einschließlich MFE) x x
5 Kooperationen x x
6 verlässlicher kontinuierlicher Unterricht x bedingt
7 Fächerbreite x bedingt
8 Erreichbarkeit durch Standortdichte x bedingt

 
Aus dem bisher Gezeigten wird deutlich, dass das Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Musikschule nur durch die öffentliche Förderung selbst zustande kommt und sich im Sinne nachhaltiger Glaubwürdigkeit primär auf die Kernarbeit beziehen muss. Um die öffentliche  Förderung der Musikschulen dauerhaft aufrecht halten zu können, gilt es, sich im bildungspolitischen Diskurs gerade dieser Argumentation quasi als roter Faden zu besinnen. Sollte die oben dargestellte Kernarbeit durch den überstarken Fokus auf Kooperationsangebote oder aus Gründen der Kostendeckung reduziert werden, ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass die Arbeit öffentlicher Musikschulen durch private Anbieter übernommen wird.

1.1. Was erwarten unsere Träger von uns öffentlichen Musikschulen?
Kommunale Träger sind in der Regel stolz auf ihre Musikschulen. Sie sehen ihre Musikschule als etwas Besonderes und wollen ihren Bürgern eine qualitätsvolle Musikschulausbildung ermöglichen. Ihr Stolz zeigt sich insbesondere bei Konzerten, Veranstaltungsumrahmungen oder Wettbewerben. Deshalb sollte der zentrale Blick auf die erreichten Schülerleistung und damit auf die qualitative Repräsentationsfähigkeit der öffentlicher Musikschularbeit fallen. Neben dieser qualitätsorientierten Musikschulausbildung erwarten die Träger von kommunal verankerten Bildungseinrichtungen natürlich auch verlässliche Organisationsstrukturen und maximale Netzwerkbildung.
Gleichzeitig sind die Musikschulträger zu äußerster Sparsamkeit mit den eingesetzten Fördermitteln verpflichtet, häufig angetrieben durch eine oftmals angespannte Haushaltssituation vor Ort. Ohne ausreichende Kenntnis dessen, was die öffentliche Musikschule leistet, hat dieses leider oft dazu geführt, dass es vorrangig um blanke Musikschulexistenzen und prekäre Lehrkräftesituationen, nicht aber um die Förderung solider und nachhaltiger Bildungseinrichtungen geht. Ganz im Gegenteil – nicht selten steht das Trägerinteresse der Musikschule eher kontraproduktiv gegenüber: Als vom VdM explizit definierte Bildungseinrichtung  läge die Musikschule doch, wie die allgemein bildende Schule, auch in der Verantwortung des Landes – wozu also die Förderung vor allem kostenintensiver Bereiche wie etwa des Einzelunterrichts? Eine vom Land gewollte Kooperation könne doch diesen teuren Unterricht ersetzen, was schließlich ganz im Interesse einer finanziellen Trägerentlastung stehe!
Gerade dieses Beispiel zeigt offenkundig, wie wichtig es ist, die oben genannten Argumente für das Alleinstellungsmerkmal öffentlicher Musikschulen dem Träger   gegenüber besonders deutlich zu exponieren. So ist es letztlich auch im Trägerinteresse, Zugangsoffenheit für qualitätsvolle musikalische Bildungsangebote mit großen Leistungserfolgen zu ermöglichen. Außerdem sollte stets auch darauf verwiesen werden, dass, etwa im Vergleich zu Ämtern oder Wirtschaftsunternehmen, die Förderungshöhe von Musikschulen monetär nahezu unbedeutend ist, obwohl durch sie auf unterschiedlichen Ebenen (Bildung, Kultur, Standortfaktor, interkulturelles Miteinander, etc.) maximale Wirkung erreichbar ist und ihr deshalb eine gesamtgesellschaftlich ausgesprochen hohe Priorität zukommt. Um nicht Gefahr zu laufen, sich quasi passiv von einer politisch willkürlichen Trägerhaltung steuern zu lassen, muss es deshalb darum gehen, fachlich argumentativ den Trägerwillen zu prägen und damit maßgeblich auf den oben dargestellten Kernbereich als entscheidendes Alleinstellungsmerkmal öffentlicher Musikschule zu rekurrieren.
Hierfür ist es letztlich auch notwendig, im Sinne maximaler Qualitätsanstrengung die Effektivität der Mittelverwendung transparent nachzuweisen. Das Qualitätssystem Musikschule (QsM) ist dazu ein ausgezeichnetes und über viele Jahre bewährtes Managementinstrument, das gleichzeitig auch als ein betriebswirtschaftliches Weiterbildungsangebot der Musikschulleitung begriffen werden kann. Die positiven Erfahrungen, die einzelne Bundesländer mit dem QsM gemacht haben und gegenwärtig machen, können dieses bestens belegen.

2. Welches Selbstverständnis haben wir bzgl. unseres Musikschulverbandes?
Bezogen auf die oben beschriebene Kernarbeit öffentlicher Musikschulen hat der VdM großartige Leistungen vollbracht – zahlreiche Grundsatzpapiere mit hoher politischer Gewichtung belegen dies auf eindeutige Weise. Dort ist er den privaten Anbietern weit voraus. Als bundesweiter Fachverband konnte der VdM vor Ort argumentativ nachhaltige Unterrichtsstrukturen schaffen.
Diese Strukturen müssen jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit langfristig gestärkt werden. Das kostet viel weniger als überproportionierte Kooperationsangebote. Schließlich geht es nicht um schneller-höher-weiter, sondern um langfristige Qualitätssicherung, also um eine solide Musikschulausbildung im Sinne des oben definierten Alleinstellungsmerkmals. Reine Zahlen sagen nichts über den Zustand der Musikalisierung aus, Masse statt Klasse darf nicht zum Leitbild des VdM werden.
Der VdM hat den komplizierten Spagat zwischen den regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen der Musikschularbeit zu meistern. Er muss das Alleinstellungsmerkmal im Sinne der Vor-Ort-Politik pflegen, vermitteln, weiterentwickeln etc. und zugleich neue Strömungen aufnehmen und diese sinnvoll in die Kernarbeit integrieren. Da Zusatzangebote wie Kooperationen gemäß des VdM-Strukturplans auch zu dem Aufgabenspektrum der Musikschulen gehören, sollten sie – wie eingangs dargestellt – entsprechend ihrer pädagogischen Sinnhaftigkeit und damit auch Wertigkeit die Kernaufgabe bereichern, ohne sie jedoch zu verdrängen oder gar zu ersetzen.
Der VdM sollte klar Position beziehen, welche poltischen Ambitionen für die Musikschule positiv und welche für sie negativ sind. Als Fachverband ist er dafür bestens prädestiniert; Argumentationslinien wie die eingangs zum Alleinstellungsmerkmal angeführte müssen dabei unverrückbarer Maßstab bleiben.

 
3. Wie definieren wir unsere Ziele und wie kommunizieren wir unsere Ziele in unserem Verband, unseren Mitgliedsschulen?
Die Stärke des VdM und der LVdM besteht darin, gemeinsame Ziele zu entwickeln, die zum Orientierungsmaßstab für das politisches Argumentieren auf den Ebenen des Bundes, der Länder und der Kommunen werden. Auf diese Weise ist es möglich, durch kommunale Qualitätsanstrengungen landes- und bundespolitische Vorgaben zu definieren sowie umgekehrt das Engagement der Länder oder des Bundes im Einklang mit den kommunalen Aktivitäten zu stellen.
Zentrale Austauschorte müssen hierfür die Sitzungen des Erweiterten Bundesvorstandes (EBV) und der Geschäftsführerkonferenz (GFK) des VdM sein, da nur hier alle Landesverbände vertreten sind und deshalb nur hier gemeinsame Grundlinien entwickelt werden können. Vergleichbar mit der Vorstands- und Geschäftsstellenarbeit des VdM lassen sich diese Sitzungen durch regionale Versammlungen oder bilaterale Austauschgespräche inhaltlich vorbereiten. Eine zentrale Stärke des EBV und der GFK könnte darin bestehen, sich auf wenige, jedoch maßstabsetzende Grundsatzthemen zu konzentrieren und diese in einem ausreichenden Zeitrahmen möglichst intensiv zu diskutieren. Das Ziel dabei sollte es sein, möglichst alle denkbaren Argumente anzuführen, die länderspezifischen Unterschiede so detailiert wie möglich herauszuarbeiten und schließlich der so entstandenen gemeinsamen Position ein starkes und vielschichtiges Argumentationsfundament zu geben.

 

4. Welche Aufgaben verfolgen wir gemeinsam, der VdM, die LVdM?
Eine Orientierung der LVdM auf den VdM kann nur dann gelingen, wenn (wie zuvor dargestellt) gemeinsame Wert- und Zielvorstellungen diskursiv gepflegt und weiterentwickelt werden. Letztlich kann jedoch die Gemeinsamkeit nur den Kernbereich öffentlicher Musikschularbeit betreffen, ist er doch zu verstehen als Grundpfeiler einer musischen Ausbildung der öffentlichen Hand beziehungsweise als das eingangs definierte Alleinstellungsmerkmal öffentlicher Musikschulen schlechthin. Die Kooperationsangebote hingegen stehen vornehmlich in Abhängigkeit zu den jeweiligen Landesspezifika, wenn nicht sogar zu ihren regionalen Gegebenheiten, wodurch sie zur bundesweiten Identifikationsstiftung eher ungeeignet sind. Je mehr sich darum der VdM auf die Kooperationsfrage konzentriert, um so weniger können sich die LVdM mit dem VdM identifizieren.
Neben der Pflege und Weiterentwicklung des dargestellten Kernbereichs, der auch die gemeinsamen und verbindlichen Lehrpläne umfasst, birgt der VdM ebenfalls die Chance, voneinander zu lernen.  So kann der VdM beispielsweise länderspezifische Kooperationsmodalitäten bewerten und die gewonnenen Erfahrungen an andere Verbände weitergeben. Er sollte beraten, in welchem Kontext diese Angebotsvarianten zu den entsprechenden Kernbereichen stehen. Auch ist darüber nachzudenken, wie unterschiedliche Kooperationsangebote der Länder durch entsprechendes Benchmarking zueinander in Beziehung gestellt werden können, schließlich stehen öffentliche Musikschulen nicht in Konkurrenz zueinander und könnten voneinander lernen, um sich auch auf diese Weise weiter zu verbessern.
Ganz wichtig ist das Plädoyer des VdM für das QsM, dem Einklang von Qualität und Effektivität der Mittelverwendung. Hier könnte Sachsen-Anhalt Modellcharakter einnehmen, da die staatliche Anerkennung des Landes, für eine Bildungseinrichtung der Qualitätssiegel schlechthin, in Abhängigkeit zu einer erfolgreichen QsM-Implementierung beziehungsweise zu einer vierjährigen QsM-Rezertifizierung steht.
Der VdM begreift Musikschulen grundsätzlich als Bildungseinrichtung , was prinzipiell ein starkes Engagement für die Landesförderung nach sich ziehen sollte. Auch hier könnte Sachsen-Anhalt wichtige Impulse setzen, da hier durch direkte Landesmittelzuweisung der kommunale Träger gerade in den kostenintensiven Kernbereichen wie dem Einzelunterricht und dem kostenfreien Theorie- und Ensembleunterricht erheblich entlastet wird.

5. Welche Alleinstellungsmerkmale nehmen unserer Meinung nach bdpm, VDS, DTKV u.a. für sich ein?
Entsprechend der eingangs dargestellten Definition können nur öffentliche Musikschulen ein Alleinstellungsmerkmal haben, wenn durch Förderung der aus Einzelunterricht, Ergänzungsfächern und Ensemblespiel bestehende Kernbereich im Sinne voraussetzungsloser und qualitätsorientierter Teilhabegerechtigkeit breitengesellschaftlich nutzbar ist.

5.1 Wie gehen wir mit den von uns gewonnenen Erkenntnissen in 5. um? (rechtliche Fragen und Vorgehensweise)
Es ist eine poltische Entscheidung der jeweiligen Kommune, ob und, wenn ja, wie viele Musikschulen sie als Träger fördern möchte. Private Anbieter stehen nicht in kommunaler Trägerschaft und besitzen deshalb auch keinen Rechtsanspruch auf kommunale Förderung. Geht es um Zuweisung von Landesförderung, müssten trägerunabhängige Fördervoraussetzungen gelten, so, wie es Sachsen-Anhalt in seinem Musikschulgesetz formuliert.

 
6. Welche strategischen Ziele und Forderungen ergeben sich aus dem o.g. Fragen bzw. Antworten für den Bundesverband, für die Landesverbände und für die Mitgliedsschulen?

 

7. Welche Partner brauchen wir, um unsere Ziele und Forderungen umzusetzen? Mit welchem Partner haben wir die größten Schnittmengen in unseren Zielen und Forderungen?
 

8. Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie umgesetzt, verfolgt wissen?

Die Beantwortung der Fragen 6 bis 8 ist nur dann sinnvoll, nachdem sich im Rahmen der VdM-Sitzungen gemäß der Darstellungen unter 1 bis 5.1 auf entsprechende Grundsatzpositionen verständigt worden ist und daraus Konsequenzen abgeleitet werden können.


Magdeburg, 18.02.2014
Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V.

Markus Biedermann                                 Dr. Christian Reineke
Vorsitzender                                             Geschäftsführer